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So bleibt dein Wissen immer up to date
Wie du mit Google Scholar Alerts automatisch über neue und praxisrelevante Forschung informiert wirst.

Ich habe in den vergangenen Monaten versucht, regelmäßig Zeitung zu lesen. Dafür habe ich die Zeitung meiner Wahl abonniert und bekam jede Woche die neue Ausgabe geliefert. Die ersten Zeitungen habe ich noch komplett gelesen. Nach einigen Wochen waren es nur noch Artikel, die mich direkt angesprochen haben, und gegen Ende des Abonnements, muss ich zugeben, landeten die Zeitungen ungeöffnet neben dem Biomüll, wo sie zumindest noch als Feuchtigkeitsschutz dienen konnten.
Wieso bin ich am Zeitungslesen gescheitert? Zum einen finde ich Zeitungen einfach unpraktisch. Die Seiten sind zu groß für meine kurzen Arme, alles knistert ständig und wehe es scheint auch nur ein bisschen die Sonne durchs Fenster und schon kann man auf den dünnen Blättern nichts mehr erkennen. Der viel größere Punkt war aber, dass sich vieles schlicht nicht mehr neu und relevant angefühlt hat. Durch das Internet, Newsfeeds auf dem Smartphone oder Social Media Posts waren mir die meisten Geschichten bereits bekannt. Zeitunglesen fühlten sich für mich immer mehr wie Geschichtsunterricht und weniger nach „News“ frisch aus der Presse an.
Ein ähnliches Gefühl habe ich manchmal auch bei fachspezifischen Publikationen oder auch bei Fortbildungsangeboten. Vieles was dort als die Innovation des Jahrtausends präsentiert wird, basiert auf Forschung oder Praxiserkenntnissen, die schon viele Jahre oder sogar Jahrzehnte alt sind. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, ganz im Gegenteil. Ein großer Teil unseres praxisrelevanten Wissens beruht auf genau diesen älteren Ideen. Vieles, was heute als neu verkauft wird, ist am Ende nur alter Wein in neuen Schläuchen.
Trotzdem dreht sich die Welt, vor allem im Leistungssport, enorm schnell weiter. Wer nicht auf dem aktuellsten Stand bleibt, wird früher oder später abgehängt. Es sollte also die Aufgabe aller Trainer:innen sein, sich auf dem Laufenden zu halten. Die Frage ist: Wie schafft man es, relevante Forschung zu entdecken, ohne jeden Tag Datenbanken zu durchforsten oder darauf hoffen zu müssen, dass die wichtigsten Ergebnisse irgendwann in einer Fortbildung auftauchen?
Ich möchte euch im Folgenden ein einfaches Werkzeug vorstellen, mit dem ihr automatisch über neue und für euch relevante Forschung informiert werden könnt.
Google Scholar Alerts
Google Scholar Alerts (GSA) helfen dabei bestimmte Forschungsfelder zu verfolgen. Um einen eigenen GSA einzurichten, braucht man ein Google-Konto. Ist man angemeldet, kann man nun die Webiste https://scholar.google.com/ aufrufen. Dort findet man im Burger-Menü den Unterpunkt „Alerts“. Hier kann man sich einen Alert erstellen.

Hat man sich einen solchen Alert eingerichtet informiert Google Scholar regelmäßig per Mail über neue relevante Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen. Beim Erstellen eines Alerts gibt es aber einige Dinge zu beachten, damit die Ergebnisse der Suchanfrage auch von Nutzen sind.
Den richtigen Prompt erstellen
Die Qualität der Ergebnisse die einem ein GSA ausspuckt hängt direkt mit der des sogenannten Prompts zusammen. Dieser Prompt setzte sich aus Suchbegriffen zusammen, welche durch Boolesche Operatoren geordnet werden
Die wichtigsten Booleschen Operatoren verstehen und nutzen
Boolesche Operatoren sind logische Operatoren, mit deren Hilfe mehrere Suchbegriffe in einer Suchanfrage kombiniert werden können. Die Suche kann somit präzisiert werden und irrelevante Ergebnisse werden direkt gefiltert. Google Scholar funktioniert nur mit den englischen Varianten der Booleschen Operatoren. Diese lauten dementsprechend AND, OR und – (welches für NOT benutzt wird). Sie müssen ebenfalls komplett in Großbuchstaben geschrieben werden.
AND bedeutet, dass beide Begriffe vorkommen müssen. Sucht man nach:
athletics AND javelin
so sucht Google Scholar nach Ergbnissen, die sowohl das Wort „athletics“ als auch „javelin“ beinhalten. Es wird also die Schnittmenge gebildet.

Mit OR kann man die Suche erweitern, beispielsweise, wenn ein Begriff nicht ausreicht oder häufig mehrere Begriffe synonym verwendet werden. So geht man mit folgendem Prompt sicher, dass alle relevanten Artikel erfasst werden:
athletics OR track and field

Möchte man bestimmte Begriffe ausgrenzen, so benutzt man den Begriff NOT beziehungsweise bei Google Scholar das Minuszeichen, welches direct vor den auszuschließenden Begriff gesetzt wird. Mit folgendem Prompt schließt man irrelevante Ergebnisse aus und Studien, die das Sprinten beim Schwimmen untersucht haben, werden ignoriert:
sprint -swimming

Weiter Zeichen helfen dabei, die Suchen noch präziser zu machen. Durch Klammern werden Begriffe gruppiert und deren Priorität wird beeinflusst. Wollen wir Studien über das Speer- und Diskuswerfen finden, so würden wir vielleicht folgenden Suchterm eingeben:
athletics AND javelin OR discus
Dies würde zu folgendem Ergebnis führen:

Dies liegt an der Logik, nach der Google Scholar die Suchbegriffe abarbeitet. Möchten wir wieder nur die Schnittmenge aus „athletics“ als Überbegriff und „javelin“ sowie „discus“ als Unterkategorie, so muss der Suchbegriff wie folgt mit Klammern präzisiert werden:
athletics AND (javelin OR discus)

Will man nach exakten Wortgruppen suchen, so benutzt man Anführungszeichen. So wird im Englischen beispielsweise anstelle des „Kugelstoßens“ die Begrifflichkeit „shot put“ benutzt. Würde man nach
athletics AND shot put
suchen, so würde das von Google Scholar wie folgt interpretiert werden:

Befinden sich keine Operatoren zwischen Wörtern, so interpretiert Google Scholar den Platz als AND. Das kann zwar zu erfolgreichen Suchergebnissen führen, ist aber unpräzise. Besser wäre die Sucheingabe:
athletics AND “shot put“
Es gibt noch weitere Hilfsmittel, die zum Verbessern von Suchbegriffen genutzt werden können, so wie beispielsweise das Trunkieren mit Hilfe von „*“, diese sind aber nicht unbedingt notwendig und Suchanfragen können auch mit den hier aufgeführten Operatoren und Zeichen präzise genug formuliert werden.
Die richtigen Suchbegriffe finden
Wissenschaftliche Literatur wird, auch von deutschen Fortscher:innen, primär auf Englisch veröffentlicht. Dementsprechend empfiehlt es sich englischsprachige Begriffe zu nutzen, um somit alle relevanten Veröffentlichungen zu erfassen. Man sollte sich also mit dem entsprechenden Fachjargon bekannt machen. Hierbei hilft es zum Beispiel Reviews und Metaanalysen zu den jeweiligen Themen zu lesen, da hier die meisten relevanten Begriffe genutzt werden und häufig sogar die von den Forscher:innen erstellten Suchanfragen aufgeführt werden. Hinter Google Scholar steckt (zum Glück) keine KI, die den kreativ ausformulierten Prompt interpretiert, sondern es werden lediglich vorhandene Artikel anhand der Suchanfrage gefiltert. Demnach sollte man die Terminologie des entsprechenden Fachbereiches kennen und nutzen.
Einen Suchterm aufbauen
Wir wollen Studien, die sich auf die leichtathletischen Wurfdisziplinen beziehen. Dies decken wir ab, indem wir folgende Begriffe benutzen:
(„track and field“ OR athletics) AND (javelin OR discus OR “hammer throw” OR “shot put”)
Dazu wollen wir die Ergebnisse auf den Nachwuchsleistungssport beschränken, also erweitern wir den Term wie folgt:
(„track and field“ OR athletics) AND (javelin OR discus OR “hammer throw” OR “shot put”) AND (youth OR adolescent OR junior OR “youth athlete” OR “talent development”)
Schlussendlich können wir andere Wurfsportarten aus unserer Suchanfrage ausschließen, auch wenn diese in den meisten Fällen durch die genaue Beschreibung der Wurfdisziplinen schon gefiltert werden sollten. Unser finaler Suchterm lautet also:
(„track and field“ OR athletics) AND (javelin OR discus OR “hammer throw” OR “shot put”) AND (youth OR adolescent OR junior OR “youth athlete” OR “talent development”) -baseball -handball -cricket
Dieser Prompt kann nun bei Google Scholar eingetragen werden, woraufhin die relevantesten Suchergebnisse des letzten Jahres aufgezeigt werden.

Extrem viele sowie eine geringe Anzahl an Suchergebnissen weisen darauf hin, dass der Prompt zu ungenau oder zu spezifisch ist. Wie man sieht, ist die Forschung im Bereich der Wurfdisziplinen überschaubar, oder möglicherweise ist unser Suchterm zu eng gefasst. Hier ist es am besten man spielt, bevor man den Alert erstellt, ein bisschen herum, ersetzt bestimmte Begriffe, lässt manche Einschränkungen komplett weg und findet für sich ein Ergebnis, mit dem man zufrieden ist. Meine persönliche Empfehlung ist es den Suchbegriff lieber breit und offen zu halten als zu eng zu verfassen. Irrelevante Ergebnisse können einfach ignoriert werden, aber relevante Veröffentlichungen, die durch den Filter ignoriert werden, kommt man sonst nicht zu Gesicht.
Mehrere spezifische Alerts statt einem Mega-Prompt
Zudem kommt, dass zum einen sportliche Leistung meist nicht auf einen Faktor herunter gebrochen werden kann und somit viele Aspekte in die Entwicklung von Nachwuchsleistungssportler:innen einfließen. Zusätzliche Prompts zu „athletic development“, „resistance training“ oder „injury prevention“ können die disziplinspezifischen Erkenntnisse meist gut ergänzen. Des Weiteren werden die Forschungsgebiete von Studien meist sehr eng gefasst. Es kommt selten vor, dass in einer Veröffentlichung sowohl biomechanische als auch pädagogische Einflussfaktoren betrachtet werden. Mehrere spezifische Suchanfragen sind also auch hier von Vorteil. Beispielsweise könnte zu dem oben formulierten Prompt auch ein jeweiliger Alert zu anderen Themen erstellt werden. Beispielsweise:
Biomechanik
(javelin OR discus OR "hammer throw" OR "shot put") AND (biomechanics OR “movement science”)
Krafttraining
(javelin OR discus OR "hammer throw" OR "shot put") AND (“resistance training” OR “strength training” AND strength OR power) AND (youth OR adolescent OR junior)
oder Nachwuchsentwicklung
(javelin OR discus OR "hammer throw" OR "shot put") AND (“talent development” OR LTAD OR “athletic development” OR “athlete pathway management” OR “long-term athlete development”)
Zusammenfassung
Google Scholar Alerts können ein äußerst wertvolles Werkzeug sein, um auf dem aktuellen Stand der Forschung zu bleiben. Die oben vorgestellten Suchanfragen könnt ihr direkt übernehmen und erhaltet damit regelmäßig relevante Artikel und wissenschaftliche Beiträge in euren Posteingang. Alternativ solltet ihr nun auch in der Lage sein, eigene Suchbegriffe und Suchterme zu formulieren, sodass die Ergebnisse genau auf eure individuellen Interessen und Bedürfnisse zugeschnitten sind. So müsst ihr nur wenige Minuten investieren um euch zukünftig Stunden von lästiger Literaturrecherche zu ersparen.
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